Robert erzählt (groß)


Ich weiß, dass ich eine Behinderung habe, meine Schwester spricht mit mir und anderen Personen ganz offen darüber. Das finde ich gut. Ich habe auch noch einen Bruder mit dem ich mich gut verstehe, den Hannes. Und ich bin der Robert.

Ich wohne in Poysdorf, NÖ, in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen, wo ich einen Wohnbereich für mich alleine habe. Die Betreuer sind rund um die Uhr da, somit kann ich mir Hilfe holen, wenn ich mal welche brauche. Ich arbeite gleich nebenan in der Holzwerkstatt. Jedes zweite Wochenende holt mich meine Schwester zu ihr und ihrer Familie nach Hause. Auch dort habe ich ein eigenes Zimmer. Zurzeit ist mein Fernseher leider kaputt, das versetzt mich wirklich in einen Ausnahmezustand! Schließlich beginnt ja schon bald die WM und überhaupt will ich meine Sendungen sehen …

In dem Heimatort meiner Schwester kennt mich jeder. Wenn ich mit meinem Fahrrad unterwegs bin, Grüßen mich alle, an denen ich vorbeikomme. Ich habe an meinem Fahrrad auch ein Nummernschild montiert, damit bin ich unverwechselbar!

Ich bin ein sehr geselliger und fröhlicher Mensch. Deshalb habe ich auch viele Freunde in Poysdorf. Sie haben auch Behinderungen, so wie ich. Jedes Jahr fahren wir gemeinsam eine Woche auf Urlaub in Österreich. Jemand bringt uns dann mit dem Auto direkt zum Urlaubsort und holt uns auch wieder ab, den Rest schaffen wir sehr gut alleine. Die Menschen, die wir im Urlaub kennenlernen, sind meistens nett zu uns, aber es gibt auch welche, die uns komisch ansehen oder blöde Kommentare abgeben. Das belastet mich, ehrlich gesagt, schon etwas.

Vor kurzem war ich mit meiner Schwester einkaufen. Wir gingen am Arm eingehängt über den Parkplatz zum Auto. Vor uns parkte eine Dame aus und wir sahen, dass sie plötzlich stark zu gestikulieren begann und die Fensterscheibe nach unten gekurbelt hatte. Sie fragte meine Schwester, wieso ich „so blöd“ schaute und meinte dann aber im selben Satz „Oh, der ist ja anders. “

Ich bin glücklich – so, wie ich bin. Aber nach Begegnungen wie dieser geht es mir nicht gut. Ich kann nicht verstehen, wieso Menschen so auf mich reagieren.

Ich will euch aber auch noch von etwas Schönem erzählen – Von Griechenland zum Beispiel! Zu meinem fünfzigsten Geburtstag schenkte mir meine Familie eine Reise nach Korfu, wo ich mit meiner Schwester hingeflogen bin. Wir haben dort Bekannte in ihrem Ferienhaus besucht. Ich war zum ersten Mal am Meer, das war sehr aufregend. Bei meinem ersten Strandbesuch bin ich gleich mal hingefallen, weil ich das Gefühl, auf Sand zu stehen, als ganz komisch empfunden habe und es noch neu für mich war. Zum sicheren Schwimmen im Meer habe ich einen Schwimmreifen für Erwachsene bekommen. Das Fotobuch von diesem Urlaub schaue ich mir oft an und zeige es auch immer wieder gerne her.

Über Urlaube könnte ich noch viele Stunden sprechen. Ich liebe Urlaube. Ich war erst am Wörthersee und am Stubenbergsee. Bald möchte ich mal nach Paris und Rhodos reisen. Demnächst fahre ich mit meiner Schwester und einer Bekannten zum Traunsee. Also eigentlich ist immer etwas los.

Mein Herzenswunsch ist,
… dass meine Freunde und meine Familie gesund bleiben.

Foto: ichwiedu 2018

 

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