Sybille erzählt

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Sybille_2.jpgWien wurde heuer zum neunten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gekürt. – Da stehe ich voll dahinter!

Mit 14 Jahren bin ich in die beliebte Metropole gekommen und habe hier viel Unabhängigkeit und neue Möglichkeiten erfahren. Da ich „vom Land“ – genauer gesagt aus Oberösterreich – komme, genoss ich in Wien zunächst vor allem meine mobile Unabhängigkeit. Ich war nicht länger darauf angewiesen, meine Eltern bei jedem Weg, den ich machen wollte, zu bitten, mich mit dem Auto zu fahren, denn in diesem kleinen Dorf fehlt es an guter Infrastruktur. Bitte versteht mich nicht falsch – ich bin meinen Eltern und auch meinem Bruder sehr dankbar für all die Unterstützung im Laufe meines Lebens! In Wien tat es nur einfach von Anfang an gut, Entscheidungen unabhängig von anderen treffen zu können.
Dafür wichtig waren und sind auch meine persönliche AssistentInnen – sie geben mir die nötige Flexibilität. Ich finde es wichtig, dass ich mit ihnen in einem Arbeitsverhältnis stehe. So komme ich mir nicht komisch vor, wenn ich um Etwas bitte – schließlich machen sie ihre Arbeit. Damit hatte ich lange meine Schwierigkeiten, als ich noch zuhause lebte und meine Mutter diese Rolle übernahm.

Während meiner Schulzeit habe ich ein Praktikum an der Urania Wien absolviert. Mein Arbeitsort war wie auf mich zugeschnitten: barrierefrei zugänglich, der Tisch in der richtigen Höhe, die KollegInnen hatten das Herz am richtigen Fleck. Das war eine schöne Zeit für mich. So schön, dass daraus eine Festanstellung wurde, der ich seit 14 Jahren nachgehe! Auch heute fühle ich mich dort noch sehr wohl.
Dass ich von Geburt an mit Gelenksteife lebe, war im Beruf nie ein Thema. Das war es auch für mich nie: Mein Leben lang fühle ich mich schon gut integriert. Ich denke, dass hängt vor allem damit zusammen, dass ich mich selbst nie auf meine Behinderung reduziert habe. Ich ging immer viel fort, habe heimlich geraucht und Bier getrunken als ich noch zu jung dafür war und die Feste mit meinen Freunden immer sehr genossen. Am Land, wo jeder jeden kennt, wurden meine Eltern von der Nachbarin immer möglichst rasch über meine kleinen Sünden informiert. „Herns, Ihna Tochter, die sitzt ja im Rollstuhl. Die habe ich gestern rauchen gesehen! Das sollte sie aber schnell bleiben lassen!“ – Wie gesagt, Wien ist mir lieber! 😉

Vor allem in den letzten Jahren nutze ich meine Freizeit gerne, um Aquarell zu malen und gehe auch wahnsinnig gerne shoppen. Am liebsten verbringe ich allerdings Zeit mit meinem Freund. Wir sind seit 5 Jahren zusammen und verliebt wie am ersten Tag!


Mein Herzenswunsch ist, …
… dass mein Freund einen geregelten Aufenthaltsstatus in Österreich bekommt – die österreichische Bürokratie macht es uns aber leider nicht immer ganz leicht. Das ständige Hin und Her ist eine große Belastung für mich.

 

 

Foto & Video: ichwiedu 2018

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